Wieland Woesler: "Es wird sowieso mehr und mehr online laufen, da geht’s hin"

Geschäftsführer der Wildnisschule Seenland, Leiter von regionalen Waldgruppen und Wildniscamps, Dozent für Wildnispädagogik Wieland Woesler hat in einem Interview für Veranstaltungsbutler erzählt, wie der Trend auf Digitalisierung die Tätigkeiten seiner Wildnisschule verändert.
April 17, 2020

Geschäftsführer der Wildnisschule Seenland, Leiter von regionalen Waldgruppen und Wildniscamps,  sowie Dozent für Wildnispädagogik Wieland Woesler hat in einem Interview für Veranstaltungsbutler erzählt, wie der Trend auf Digitalisierung die Tätigkeiten seiner Wildnisschule verändert.

Wie bist du auf die Idee gekommen,Webkonferenzen einzusetzen und hattest du noch vor derKontaktsperre bereits Erfahrung mit Online-Veranstaltungen?

Ja, ich hatte vorher schon Erfahrung mit Zoom, weil ich innerhalb meiner Kurse herumprobiert habe, online Treffen online zu organisieren. Daraus Dementsprechend habe ich das auch geschäftlich genutzt. Bevor es losging, war es für mich wichtig, sicher in dem Umgang mit der Software zu sein, um damit nach außen gehen zu können. Wenn ich da noch unsicher bin und rumfummeln muss, weil ich nicht weiß, wie man z.B. den Bildschirm teilt, dann kann ich mich nicht auf meinenText konzentrieren. Also, es waren schon Vorerfahrungen da, aber  und wir sind noch einenSchritt weitergegangen.

Hast du dir alles selbst beigebracht?

Erstmal habe ich es für mich alleine ausprobiert, dann in so einem „eins zu eins“ mit meiner Tochter, um zu sehen, wie es funktioniert. Als Nächstes habe ich es innerhalb eines Kurses angewandt, wo ich gesagt habe: „Wir treffen uns online und probieren es aus“.

Bei Zoom – und bei Skype wäre es wahrscheinlich ähnlich – bin ich immer nur bei ganz wenigen Funktionen, die ich kenne. Für mich als Unternehmen, wenn ich sowas anbieten will, wäre es cool, wenn es jemanden geben würde, der sagt: „Lass uns eine Stunde Zeit nehmen und ich führe dich durch die verschiedenen Optionen“. Das hätte mir geholfen.

Meine Schwelle war nicht so hoch und ich habe mich selbst herangetraut. Ich glaube, es gibt Leute, die sich da ganz unsicher sind und die jemanden benötigen, der sie an die Hand nimmt.

Wie kannst du deine Erfahrung mit Onlinekursen bewerten?

Sie war positiv. Ich glaube, somit erweitern wir das Spektrum unseres Angebots, die Möglichkeiten und unseren Markt. Gleichzeitig haben wir hier noch Raum für Wachstum, weil viele unserer Kunden sehr naturverbunden sind. Einige sind gegenüber der Digitalisierung wiederum ziemlich skeptisch: Es gab Menschen, welche die Veranstaltungen nur vor Ort haben wollen.

Wichtig ist dabei, dem Publikum nahezubringen, dass es auch einfach ist, an einer Online-Veranstaltung teilzunehmen. Für die Kunden muss es einfach sein hereinzukommen. Bei Zoom z. B. bin ich etwas grenzwertig, weil die Leute sich auf der Plattform anmelden müssen. Sie können nicht einfach auf den Link klinken und mitmachen. Ich würde es mir wünschen, dass es einfacher gehen würde.

Wie war die Stimmung in der Online-Veranstaltung?


Einige sind offen gewesen, die meisten davon hatten bereits Erfahrung mit Skype. Die etwas Skeptischeren haben eine positive Erfahrung gemacht und gesehen, dass es funktioniert. Nachdem sie sich einmal über die Technikschwelle getraut hatten, konnten sie sich auch offen äußern.

Live-Veranstaltungen finde ich auf jeden Fall immer noch besser. Andererseits hat so ein Online-Meeting für mich als Anbieter seine Vorteile: Ich muss nicht weg und spare Zeit; ich kann mit meinen Kunden die Bindung vertiefen, ohne dass wir uns extra treffen müssen; ich kann viele Leute zusammen kontakten, eine gemeinsame Gruppe organisieren und nicht jeden einzeln anrufen.

Ich glaube, es ist wichtig, die Kunden langsam daran heranzuführen, weil sowieso mehr und mehr online laufen wird. In die Richtung geht es hin.

Was macht für dich eine gelungene Webkonferenz aus?

Wenn ich eine öffentliche Veranstaltung organisiere, bei der Teilnehmer sich einfach zuschalten können und ich nicht weiß, wer kommt, kann ich die Teilnehmerzahl bewerten. Wir fragen gerne auch ab, ob die Webkonferenz gut war, und rufen zu Feedback auf. Dabei sollte man berücksichtigen, dass beim Sammeln von Feedback per E-Mail nach der Konferenz nicht viel kommt.

Am Ende der Konferenz kann man allen Teilnehmern vorschlagen, eine kurze Bewertung im Chat abzugeben: „war gut“, „war mittel“, „war blöd“. Dabei schreiben Teilnehmer selten was Schlechtes, weil sie anderenfalls früher die Veranstaltung verlassen würden.

Was sind Vorteile für die Teilnehmer?

Du kannst einfacher teilnehmen, weil es sich leichter in deinen Ablauf reinintegrieren lässt. Du brauchst deine Kinder nicht rumorganisieren, sie können einfach auf dem Teppich neben dir spielen. Es gibt immer viele Gründe, warum jemand nicht loskann.

Wenn man die Veranstaltung auch noch als Aufzeichnung anbietet, besteht die Möglichkeit, sie sich auch zeitflexibel anzuschauen. Wir machen Aufzeichnungen, die wir auf unsere Webseite stellen. Einerseits ist der Vorteil für Kunden, dass Videos jederzeit verfügbar sind, andererseits wird unsere Webseite dadurch auch attraktiver. Besucher können sich Videos anschauen und uns besser kennenlernen.

Welche Kamera benutzt du für deine Webkonferenzen?

Im Moment benutze ich nur die Laptopkamera. Für das Format, dass wir jetzt haben, reicht es noch aus. Den Ton kann man optimieren. Bei mir z. B. ist der Ton über den Laptop nicht so gut. Zum Schluss der Veranstaltung hatte ich so eine geführte Meditation gemacht und da wäre es schon cooler, besseren Ton zu haben. Ich bin jetzt dabei, eine externe Kamera und ein Mikrofon anzuschließen, um es zu verbessern.

Vom Computer kann ich auch Musik abspielen. Der Ton dabei ist super, nur dass ich da noch mit meinem Mikro reinkomme, ist nicht ganz passend. Für den Anfang reicht aber auch ein Laptop.

Was waren die Herausforderungen für dich beim Einsatz von Webkonferenzen und wie bist du damit umgegangen?

Für mich war es am Anfang eine Hemmschwelle, dass ich zu einer Kamera spreche und nicht zu Menschen, die ich direkt gegenüber mir habe. Das ist erstmal komisch, da du nicht das direkte Feedback bekommst. Live zu sprechen war nicht so schwer, weil ich das auch in den Kursen mache. Die technische Seite der Dinge musste ich auch lernen.

Schaust du aktiv in den Chat, können Teilnehmer das Wort ergreifen?

Es ist cool, dass wir die Veranstaltung zu zweit führen. Mir wäre es zu viel, wenn ich spreche und dabei die Technik und den Chat noch im Blick behalten müsste. Wir teilen uns diese Aufgaben auf, was besonders gut ist, wenn man mit Online-Veranstaltungen anfängt.

Eva redet auch, gibt Übungen rein, aber sie schafft es besser, zusätzlich mit dem Chat Kontakt zu halten. Als Frau weiß sie vielleicht, wie man es besser macht. Wenn ich nicht grade dran bin, kann ich auch in den Chat hereinschauen.

Benutzt du Präsentationen in deinen Veranstaltungen?

Bis jetzt haben wir immer alles live gemacht. Ich könnte ein PDF einblenden, aber wir haben es nicht gemacht. Die Kunden sind bei uns stumm geschaltet und kommunizieren mit uns im Chat. Wenn ich einen Kurs durchführe, z. B. die Weiterbildung, und ein Meeting mit 25 Leuten halte, dann ist es interaktiver. Dabei frage ich die Teilnehmer direkt, woraufhin diese sich melden können.

Zudem machen wir eine Runde, in der jeder erzählt, wie es ihm geht. Das ist ein anderes Konzept. Darüber hinaus versuchen wir Übungen interaktiv zu gestalten, kleine Aufgaben zu geben, die während der Online-Veranstaltung gemacht werden. Gestern zum Beispiel ging es um Spuren lesen. Die Aufgabe bestand darin, durch die Wohnung zu gehen und eigene Spuren zu finden, die heute hinterlassen wurden. Das heißt nicht nur Fußabdrücke, sondern auch Sachen, wie man beispielsweise ein Buch liegen gelassen hat oder der Abwasch gemacht wurde.

Man kann interaktiv in dem Moment eine Aktion mit allen gemeinsam durchführen. Jeder sollte dann eine Spur mit sich bringen und diese kurz in die Kamera halten. Bei denen, die keine Kamera anhatten, wurde in den Chat geschrieben.

So könnte man es auf verschiedenen Ebenen machen und das ist auch cool, weil dadurch die Teilnehmer nicht nur in ihren Sesseln sitzen, sondern Einfluss haben und der Kontakt gestärkt wird.

Also sind neue Möglichkeiten entstanden. Ergibt es Sinn, die auch nach der Kontaktsperre weiter auszunutzen?

Das ist ein Vorteil aus dieser Quarantänezeit, in der wir mehr Raum haben und die Notwendigkeit entstanden ist, uns mehr zu zeigen. Wir werden es weitermachen und etablieren. Neue Ideen sind dazugekommen und die passen nicht nur in die Zeit, in der wir nicht raus können. Für uns ist was Gutes daraus entstanden.

Ihr habt also aus Zitronen eine Limonade gemacht?

Genau, wir haben eine Limonade und irgendwann ist der nächste Schritt, dieser Limonade auch ein Label zu geben und sie zu verkaufen. Die Sachen, die es schon gibt, werde ich nicht online machen, aber das Paket kann ich erweitern. Alles, was live vor Ort war, kann ich mit Online-Meetings oder kleinen Videos ergänzen.

Auch für unsere Ausbildungskurse finde ich es gut, das Paket zu erweitern. Damit haben wir vor Corona langsam angefangen. Jetzt fühle ich mich sicherer und es ist ein Geschenk für die Kunden.

In mir wächst die Idee, nicht mehr so viel unterwegs zu sein. Ich kann ein oder zwei Online-Kurse anbieten, die das ganze Jahr über laufen und eingespielt sind. Auf der Webseite können sie dann gebucht werden, wodurch wir dann den Umsatz steigern. Viel Aufwand entsteht dabei auch nicht: einmal einspielen und dann muss nicht viel mehr gemacht werden.

Gleichzeitig bin ich jetzt dabei, mir neue Konzepte auszudenken. Vielleicht machen wir eine Mischung von zwei Live-Seminaren und dann noch zwei Online-Veranstaltungen, für die ich nicht losmuss und die ich von zu Hause aus leiten kann.

Was ich aus dieser Krise mitnehme, ist dieses Gefühl von Entspannung. Ich merke, dass es voll cool ist, Zeit zu haben und entspannter zu arbeiten. Dieses Gefühl will ich gar nicht mehr vermissen. Ich habe Bock auf meinen Job und auf mein Unternehmen, ich habe Bock zu arbeiten, aber ich merke, dass ich auch Bock habe, es entspannter angehen zu lassen. Das will ich aus der Krise mitnehmen und das Onlineformat könnte ein Weg sein, diese Möglichkeit entstehen zu lassen.

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